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1700 Jahr freier Sonntag

Zum 3. März 2021 - „Internationaler Tag des freien Sonntags“ Sonntagsallianz präsentiert aktuelle Meinungsumfrage: 60% der ÖsterreicherInnen brauchen den Sonntag zum Erholen Eine aktuelle Meinungsumfrage zur Bedeutung des arbeitsfreien Sonntags in Österreich zeichnet ein klares Bild: Müde von lockdowns, Sorgen über Gesundheit und Finanzen, verstärkten Betreuungspflichten und Homeoffice zeigt die heimische  Bevölkerung eine klare Zustimmung zu Erholung und arbeitsfreier Zeit an Sonntagen.

Vor rund 20 Jahren wurde die österreichische Allianz für den freien Sonntag gegründet, seither wird für den Erhalt dieses letzten gemeinsamen freien Tages für möglichst viele Menschen in Österreich gekämpft. Im heurigen Jubiläumsjahr stehen wir vor ganz neuen Herausforderungen – Stichworte: Homeoffice, Entgrenzung der Arbeit, Onlineshopping. Die Stimmungslage in der Bevölkerung ist aber eindeutig: Der freie Sonntag ist ein wichtiges Kulturgut, dient zum gemeinsamen Erholen und soll erhalten bleiben. So zeigen es die jüngsten Umfrageergebnisse einer repräsentativen Studie, die im Jänner 2021 gemeinsam mit dem INTEGRAL Meinungsforschungsinstitut österreichweit durchgeführt wurde.

Rund 60% für den arbeitsfreien Sonntag
Die aktuelle Umfrage der Allianz für den freien Sonntag („Sonntagsallianz“) macht es deutlich: Sechs von zehn ÖsterreicherInnen wollen den arbeitsfreien Sonntag als gemeinsame freie Zeit unbedingt behalten und sind nicht bereit, am Sonntag regelmäßig zu arbeiten. Ebenfalls knapp 60 Prozent möchte keine „Flexibilisierung“ der Arbeitswoche und würde die Aufhebung der Wochenendruhe zu Gunsten mehr individuell freier Tage nicht akzeptieren. Die Studie setzt jene von 2019 fort, in der die Zustimmung für den arbeitsfreien Sonntag ähnlich hoch war. Es wurden jeweils 1.000 Personen im Alter von 16 bis 69 Jahren in ganz Österreich befragt.

Neue Erkenntnisse zu Homeoffice und Onlineshopping am Sonntag
Die Ausnahmesituation Corona-Pandemie, die Erfahrungen im Homeoffice und die vielen Wochen lockdown spiegeln sich auch in dieser Studie nieder. 62% der Befragten im Homeoffice geben an, dass ihnen die Trennung zwischen Freizeit und Arbeit zunehmend schwerer fällt. Besonders hart trifft es dabei Familien, v.a. Frauen mit Kindern stimmen dieser Aussage zu 78% zu. Angespannt ist auch die Finanzlage: Jeweils 55% geben an, ihre Ausgaben und Einnahmen stärker zu überprüfen und sich beim Konsum zurückzuhalten. Geshoppt wird v.a. online, wobei hier Samstag der „traditionelle“ Einkaufstag bleibt. Nur 1/3 der Einkäufe wird sonntags erledigt.

Die Ergebnisse zeigen, dass Familien und hier besonders die Mütter sich als Verliererinnen der Pandemie erleben. Zur generellen Unsicherheit kommen verstärkte Betreuungspflichten und die angespannte Finanzlage. Der Sonntag als planbarer Tag für Erholung und Familie bzw. Freunde bleibt weiterhin unverzichtbar.

Stimmen aus der Sonntagsallianz: Klares NEIN zur Sonntagsöffnung
Die Sonntagsallianz mit ihren über 50 Mitgliedsorganisationen kämpft seit nunmehr 20 Jahren für den Erhalt des arbeitsfreien Sonntags für möglichst viele Menschen. In ihr sind kirchliche, gewerkschaftliche und zivile Organisationen vertreten, es gibt vielfältige Gründe dafür: „Es muss klare Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit geben. Der Sonntag ist so eine Grenze“, sagt AK-Präsidentin Renate Anderl. „Wir sehen gerade jetzt, mit verstärkter Arbeit im Homeoffice in der Corona-Krise, wie schnell Arbeit und Freizeit verschwimmen: Pausen werden nicht eingehalten, man ist ständig, auch nach Dienstende, erreichbar, Beschäftigte arbeiten auch krank von zuhause oder wenn sie eigentlich Pflegefreistellung für Kinder haben. Aus vielen Berichten unserer Mitglieder wissen wir, dass das mit dem großen Druck und der Angst vor Jobverlust in der Krise zu tun hat. Dieser Druck muss verringert werden – und nicht dadurch vergrößert werden, dass auch noch die Grenze zwischen Arbeitswoche und Wochenende verschwindet. Der Sonntag muss frei bleiben.“ „Als Evangelische Kirche stehen wir ein für den größtmöglichen Schutz der Menschen, die in allen Berufsgruppen von einer Sonntagsarbeit betroffen sind“, so Matthias Geist, Superintendent der evangelischen Kirche Wien. „Der Sabbat oder Sonntag bringt es für mich auf den Punkt: Erst eine gut eingerichtete, geordnete Ruhe schafft Neues, schafft Freiräume. In aller Betriebsamkeit, die uns Sinn stiften soll, sehe ich daher den Auftrag, Orte und Zeiträume gemeinsamer Erholung zu finden und zu schützen. Es schadet dem Gemeinwohl und vor allem der heranwachsenden Generation, wenn sie keine gemeinsame Zeit in Familie und Freundeskreis mehr findet, sondern alles strikt nach Marktregeln getaktet sein muss.“ „Wirtschaftlich schlechte Zeiten gehen immer Hand in Hand mit mehr Druck auf ArbeitnehmerInnen, die Zunahme des Onlinehandels verschärft die Situation weiter, weil sie immer weniger Freizeit für die Betroffenen bedeutet“, sagt ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian. „Bestellt werden kann rund um die Uhr, ausgeliefert wird oft von früh bis spät. Die Folgen sind neben einer Zunahme von Scheinselbständigkeit vor allem Lohndumping, Arbeitszeitüberschreitungen oder Versuche, die Mitbestimmung der Belegschaft zu verhindern, etwa durch Versuche, Betriebsratswahlen zu verhindern. ArbeitnehmerInnen tolerieren viel Unzumutbares, auch immer mehr Arbeit an Sonn- und Feiertagen, aus Angst, ihren Job zu verlieren. Wir werden alle Verstöße gegen das Arbeitsrecht weiter mit Vehemenz bekämpfen. Unser klares Nein zu jedem Versuch, die Sonntagsöffnung und die Feiertagsruhe auszuhöhlen, bleibt gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeit aufrecht!“

„Sonntag ist in vielen Familien der einzige freie gemeinsame Tag. Alltagsstress mit Erwerbsarbeit, Haushalt, Care-Arbeit in allen Facetten - der Tag von Eltern ist lang. Der Tag von Alleinerziehenden ist noch länger, Zeiten der Entspannung und Ruhe sind kaum vorhanden. Umso wichtiger ist es, für diese kleine Bastion der freien Zeit einzustehen. Das ist unsere Gesellschaft Eltern und Kindern schuldig, gerade jetzt“, sagt Evelyn Martin, Vorstandsvorsitzende der Österreichischen Plattform für Alleinerziehende ÖPA. Diözesanbischof Alois Schwarz von der katholischen Kirche erklärt: „Der Sonntag ist ein Geschenk des Himmels. Der Sonntag lässt uns die Kraft spüren, die uns durch die Woche begleitet und trägt. Es ist ein Tag der Heilung, der Heiligung, ein Tag der Beziehungen, ein Tag, an dem wir es unserem Gott nicht vergessen, dass das Leben letztlich die Oberhand behält. Und ich sage auch, der Sonntag ist der Protest gegen die Versklavung des Menschen und die Ausbeutung der Schöpfung. Es geht nicht bloß um ein Frei-Sein von der Arbeit, sondern um ein Frei-Sein für die Menschen. Wir brauchen als Gesellschaft eine "synchronisierte Zeitstruktur“, die es den Menschen ermöglicht, gemeinschaftlich zu handeln, soziale Beziehungen zu pflegen und unermesslich für ein gutes Zusammenleben zu sorgen. Es geht darum, den kulturellen Rhythmus zwischen Arbeit und Ruhe um der Menschen willen zu erhalten und den Menschen eindeutig in den Mittelpunkt allen Wirtschaftens zu stellen.“

Warum braucht es den freien Sonntag? Fünf gute Gründe:
Gegner des freien Sonntags argumentieren gerne damit, dass es um die Gesamtarbeitszeit gehe und es egal wäre, welcher Tag der Woche frei wäre. Das ist aus mehreren Gründen falsch:

1. Die meisten Familien haben nur den Sonntag als gemeinsame freie Zeit! Samstags wird fürs Wochenende eingekauft, die Organisation für die kommende Schulwoche erledigt u.v.m., da bleibt nur der Sonntag als letzter Tag, den Kinder mit Mama, Papa oder Familie gemeinsam in Entspannung verbringen können. 

2. Die Abschaffung des arbeitsfreien Sonntags und damit verbundene De-Strukturierung der Woche bedeutet für die Gesellschaft und alle Einzelnen hohe Kosten und erheblichen Mehraufwand, zB was Kinderbetreuung, öffentliche Sicherheit etc. betrifft 

3. Viele Menschen üben am Sonntag Ehrenämter aus, gehen ihren Hobbies in Vereinen nach oder planen Veranstaltungen mit Freunden. Wenn auch der letzte, sichere Tag für Gemeinsames wegbricht, fallen auch diese Aktivitäten weg. Eine Einschränkung des Ehrenamtes gefährdet sozialen Zusammenhalt und Gesellschaft. So sind zB 99 Prozent der Feuerwehren in Österreich ehrenamtlich organisiert.

4. Unser Leben beruhigt sich an Sonn- und Feiertagen, damit auch der Verkehr und die Umweltbelastung dadurch. Der Verkehr ist laut Umweltbundesamt Hauptverursacher bei den klimarelevanten Gasen. 

5. Sonntag ist der Tag der Glaubensausübung bzw. der Gottesdienste - das gilt für sehr viele der in Österreich vertretenen Religionen und Gläubigen. Das lässt sich weder verschieben noch einfach abschaffen.

Arbeit am Sonntag als Ausnahme
Die Allianz für den freien Sonntag betont, dass es notwendige Arbeiten gibt, die auch an Sonntagen getan werden müssen. Dazu zählen insbesondere das Gesundheitswesen, Pflege, Energieversorgung, Sicherheit oder öffentlicher Verkehr. Ausnahmen von der Wochenend- und Feiertagsruhe gibt es in Österreich bereits viele - nicht nur in den genannten gesellschaftlich notwendigen Bereichen, sondern auch für Gastronomie oder  Tourismus. Sie sollten aber klar begrenzt bleiben, weil sonst tief in das gesellschaftliche Gefüge eingegriffen und die soziale Balance verändert wird..

Petition zum Erhalt des arbeitsfreien Sonntag: https://www.freiersonntag.at/unterstuetze-uns/

Rückfragehinweis: Mag. Daniela Ebeert, MBA, Koordination der Allianz für den freien Sonntag Österreich, E-Mail: info(@)freiersonntag.at