Katholische Aktion
Christlich geht anders - Solidarische Antworten auf die soziale Frage
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PreisträgerInnen des Diözesanen Umweltpreises 2019
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Montag, 20. Juli 2020
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Donnerstag, 30. Juli 2020
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Donnerstag, 13. August 2020
Seitenstetten, Berg 11
 
 

Ostern geht durch den Magen

Ostern im Mostviertel – das ist ein Fest mit allen Sinnen – besonders beansprucht wird dabei der Geschmackssinn. Ostern hat für mich seit meiner Kindheit viel mit Essen zu tun, obwohl es sich bei den Kartagen doch um Fasttage handelt. Das beginnt bereits am Palmsonntag: Nach der Palmweihe und dem Gottesdienst ziehen wir betend mit dem Palmbuschen ums Haus. Getragen wird der Palmbuschen vom „Palmesel“ – das ist derjenige, der als letzter am Palmsonntag aufgestanden ist. Danach gibt es zum Mittagessen „Strauben“ – das sind einfach gesagt dickere Palatschinken. Es ist Brauch, dazu drei geweihte Palmkätzchen zu essen – ein bisschen heidnische Bräuche gehören dazu. Und weil ich oft gefragt werde – ja, man überlebt das, wir sind der lebende Beweis dafür. Gründonnerstag gibt es selbstverständlich Spinat und Erdäpfelschmarr‘n. Für mich bedeutet das Essen von Spinat ein vorgezogenes Karfreitagsopfer – der Spinat und ich, wir sind nicht gerade die besten Freunde und ich kann die jährliche Menge des Spinatkonsums mit einem Löffel am Gründonnerstag – dem Brauchtum genügend – angeben.

Dann der Karfreitag: Zu Mittag gibt es die klassischste aller Fastenspeisen: Stosuppe (Rahmsuppe). Auch nicht gerade mein Favorit. Erschwert wird dieser strenge Fasttag auch noch dadurch, dass wir beginnen Häschen und Lämmchen für Ostern zu backen. Daneben wird auch schon der Schweinsbraten für die Speisenweihe in der Osternacht gebraten. Es riecht also in der Küche nach Schweinsbraten und Kuchen – eine Strafverschärfung an diesem strengen Fasttag. Am Karsamstag zu Mittag gibt es auch eine Suppe. Am Nachmittag laufen die Vorbereitung für das „große Fressen“ auf Hochtouren. Die Kinder sortieren die Süßigkeiten, die sie beim Ratschen bekommen haben, und erstellen eine Ordnung, welche Süßigkeiten sie nach der Fastenzeit am Ostersonntag als erstes essen werden. Die Erwachsenen richten den Korb für die Speisenweihe her. Der große Korb ist jedes Jahr zu klein, denn wie sagt man: Die Augen sind größer als der Magen. Jede/r versucht nach der Fastenzeit seine Lieblingsspeise in den Korb hinein zu reklamieren. Am Ende lässt sich der Korb meist nur mühsam schleppen. Nach der Liturgie der Osternacht mit Speisenweihe (im Mostviertel quasi ein zusätzliches Sakrament) geht es ab nach Hause zum festlich gedeckten Tisch. Wir singen ein frohes Osterlied und dann geht es dem Weihfleisch an den Kragen. (P.S.: Im Mostviertel sagt man dazu im Dialekt „Weichfleisch“, weshalb die Kinder immer denken, das Fleisch muss besonders weich sein.) Nach zwei Stunden fröhlichen Beisammenseins, zu dem wir auch immer die Nachbarn einladen, geht es nach Mitternacht ab ins Bett. Immerhin muss man fit sein für den Ostersonntag, den höchsten und freudigsten aller Tage: Immerhin ist man bei der Verwandtschaft zu Braten, Torte und Kaffee eingeladen 

Und heuer? Heuer wird es sicherlich anders sein. Aber eines vorweg gesagt: Das Virus wird uns nicht den Appetit verderben. Wir werden den Tod und die Auferstehung Jesu trotzdem feiern, auch mit all den Speisen die dazugehören. Wir werden zu Hause beten, singen, kochen und natürlich essen. Denn Ostern geht bei uns auch durch und besonders in den Magen. Essen hält Leib und Seele zusammen – und das hält bekanntlich gesund.

Johannes Kritzl, Referent des Kath. AkademikerInnenverbandes