Katholische Aktion
Christlich geht anders - Solidarische Antworten auf die soziale Frage
Dez
23
14:00, Sonntag, 23. Dezember 2018
Seitenstetten, Berg 11
Feb
25
14:30, Sonntag, 25. Februar 2018
Seitenstetten, Berg 11
Sep
30
18:00, Sonntag, 30. September 2018
St.Pölten, Domplatz1
 
 

„Hatschen“ aus der Perspektive der Religionen - Eine ökumenische und interreligiöse Spurensuche

Foto von links: Stefan und Marianne Kimeswenger, Richard Gödl, Ferdinand Kaineder, Adisa Beganovic, Lars Müller-Marienburg, Gottfried Auer, Catalin Soare, Andreas Ebert, Wolfgang Grabensteiner, Abt Paisios, Thomas Naske, Axel Isenbart, Dragan Eric, Johann Krammer

Auf gut österreichisch ist ein „Hatscher“ ein weiter, beschwerlicher Weg. Im Mittelalter erhielten die christlichen Jerusalempilger den Ehrentitel „Hadschi“ und im muslimischen bezeichnet der Haddsch die Pilgerreise nach Mekka.
Pilgern in den verschiedenen christlichen Religionen und im Islam, das war das Thema eines großen ökumenischen Studientages mit Archimandrit Paisios, dem Abt des orthodoxen Klosters Maria Schutz im Burgenland, der muslimischen Journalistin Adisa Beganovic, dem evangelischen Pfarrer Andreas Ebert und dem katholischen Weitgeher Ferdinand Kaineder.

Abt Paisios bezeichnete das Pilgern im orthodoxen Sinne als die Suche nach der Nähe des Himmels. Pilgern spiele in der orthodoxen Tradition eine große Rolle, die schon im Judentum verankert ist. Der Psalm 123 sagt „Ich freute mich als man mir sagte, wir ziehen zum Hause des Herrn“. Auch Jesus selber hat an Wallfahrten teilgenommen. Geschichtlich betrachtet ist der Beginn des Pilgerns im 4. Jahrhundert mit den Pilgerreisen nach Jerusalem zu finden. Dann sind die Wallfahrten zu den Heiligen dazu gekommen, das heißt zu den Gebeinen der Heiligen und Märtyrer und wiederum später sind auch Ikonen zu Pilgerzielen geworden. Im Alltag am Wichtigsten seien aber heutzutage die Klöster als Pilgerziele, wo die Menschen innere Heilung und die Nähe Gottes suchen.
Adisa Beganovic berichtet von ihrer Pilgerreise als Frau auf dem Haddsch, als Frau in Saudi-Arabien. Die Pilgerreise dauert normalerweise fünf Tage und ist für gläubige Muslime einmal in ihrem Leben Pflicht. Häufig wird der Haddsch erst gegen Ende des Lebens gemacht, aber sie selber wollte als junge Frau den Haddsch gehen, da sie die Erzählungen immer so fasziniert haben. Sie wollte entdecken wie die Empfindungen, die persönlichen Begegnungen beim Haddsch sind. Die Tage sind sehr anstrengend mit weiten Wegen mit bis zu 20-25 km bei großer Hitze pro Tag. Hinzu kommen die großen Menschenmassen, die man sich einfach nicht vorstellen kann. Der Haddsch ist im Grunde genommen eine Spurensuche, auf den Spuren des Propheten Mohammed. Man geht, wo er gegangen ist, man schläft, wo er geschlafen hat. Man gedenkt aber auch der zweiten Frau von Abraham, Hagar, die mit ihrem Sohn Ismael in der Wüste umhergeirrt ist. Hagar gilt als die Gründerin von Mekka.

Andreas Ebert, der in der Vorstellung als spiritueller Spurensucher bezeichnet wurde, hat das orthodoxe Herzensgebet nach Deutschland gebracht, mit der christlichen Männerarbeit begonnen, mit Richard Rohr das „Das Enneagramm“ geschrieben und Straßenexerzitien entwickelt. Die Straßenexerzitien seien eine Suche nach dem Heiligen im Alltäglichen. Gott ist überall präsent und somit ist auch jeder Ort heilig. Das gelte es zu suchen. Mit offenen Herzen durch die Stadt zu gehen, offen für heilige Orte, für Begegnungen, für Erfahrungen. Abends wird in der Reflexion der Exerzitien gefragt wie ist mir heute Gott begegnet, in welcher Gestalt, an welchem Ort. Andreas Ebert, der selber Jakobspilger ist, ist es wichtig auf das Ziel hinzuweisen. Denn ohne Ziel gibt es keinen Weg.
Zum Abschluss beleuchtete Ferdinand Kaineder die therapeutische und heilsame Wirkung von Pilgern und Weitgehen. Die langsame Bewegung, die Entschleunigung und die Natur helfen innere Prozesse in Gang zu setzen. Umrahmt wurde der Studientag mit Workshops, wobei die Referate vertieft wurden. Die Themen hier waren: Pilgern mit Kindern und Jugendlichen, Frauen auf der  Haddsch, Wenn Männer pilgern und der evangelische Weg des Buches.
Es hat sich beim Studientag bewahrheitet, dass Ökumene ein Geben und Nehmen ist, und ein Voneinander lernen.
Dipl. Geol. Axel Isenbart