Katholische Aktion
Christlich geht anders - Solidarische Antworten auf die soziale Frage
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Samstag, 21. Juli 2018
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Jul
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Sep
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19:00, Freitag, 29. September 2017
Heidenreichstein
 
 

Geld ohne Arbeit – geht das?

Am vergangenen Mittwoch gastierte Christian Tod mit seiner aktuellen Doku „Free Lunch Society – Komm Komm Grundeinkommen“ im Rathaussaal Amstetten. Der Themenabend wurde von der KAB St. Pölten, der ATTAC-Regionalgruppe Mostviertel und dem Verein Südfilmfest gestaltet und fand großen Anklang bei den rund 70 Besucherinnen und Besuchern.

Stellen sie sich vor, Sie erhielten beispielsweise 12 mal im Jahr 1.500 Euro steuerfrei – egal, ob Sie einer Erwerbstätigkeit nachgingen oder nicht? Was würden Sie mit dem Geld, vor allem aber mit Ihrer Zeit anfangen? Lägen Sie den ganzen Tag faul in der Sonne, oder würden Sie sich für die Dinge engagieren, die Ihnen wirklich am Herzen liegen?

Der studierte Volkswirt und Filmemacher Christian Tod hat sich sieben Jahre lang mit dem Thema „Bedingungsloses Grundeinkommen“ auseinandergesetzt, und zeigte mit „Free Lunch Society“ die Möglichkeiten einer zukünftigen Umsetzung  auf.
Tod ist – wie die InterviewpartnerInnen in seiner Doku – der Meinung, dass so etwas wie eine erweiterte Grundsicherung in naher Zukunft sicher kommen wird. Mit dem zunehmenden Grad der Automatisierung würden viele Berufsgruppen schlicht und einfach „aussterben“; eine weitaus höhere Arbeitslosenrate als heute wäre zukünftig die Folge.

Ein gesichertes Grundeinkommen wäre laut Christian Tod auch ein weiter Schritt in der Demokratisierung. Denn monetäre Unabhängigkeit macht – auf lange Zeit gesehen – die Anhäufung von Vermögen obsolet. Und Geld ist in unserer heutigen Konsumwelt ein gewichtiger Machtfaktor.

Jürgen Adelmann (Südfilmfest) hinterfragte im anschließenden Filmgespräch mit Christian Tod die praktische Umsetzung des Grundeinkommens. Noch immer erscheint Geld ohne Arbeit als sozialromantische, linke Utopie. Bei gleichzeitiger Kürzung staatlicher Leistungen, z.B. in den Bereichen Bildung und Gesundheit, könnte das visionäre Reformprojekt aber schnell zu einer neoliberalen Axt werden, die im schlimmsten Fall Arme noch ärmer macht.

Ein mögliches, finanzierbares Modell für die Einführung eines Bedingungslosen Grundeinkommens präsentierte Gerhard Malleck von der ATTAC-Regionalgruppe Mostviertel, die das BGE als unveräußerliches Menschenrecht bzw. als sinnvollen Baustein eines gestärkten Gemeinwohls verstehen. Das BGE ist aus ATTAC-Sicht existenzsichernd und würde zusätzlich zu anderen Einkommen (Arbeitseinkommen, Pension, etc.) ausbezahlt werden.

Erwin Burghofer von der Katholischen Arbeiterbewegung St. Pölten veranschaulichte wiederum mit einem an die Vermögensverteilung in Österreich angelehnten Büfett, welche Bevölkerungsgruppen um ihr tägliches Brot kämpfen müssen. So verfügt laut einer aktuellen Erhebung der Arbeiterkammer Wien das reichste Prozent der österreichischen Bevölkerung über 40% des heimischen Privatvermögens, währenddessen die ärmsten 50% der Einwohner lediglich 2,5% Anteil am Netto-Vermögen haben.

Eine Abkehr vom betriebswirtschaftlichen Profitdenken der heutigen Konkurrenzgesellschaft, hin zu einem volkswirtschaftlichen Gemeinwohldenken in einer Kooperationsgesellschaft wäre ein anzustrebender Anfang. Eine solche Entwicklung braucht viele engagierte Menschen über einen Zeitraum von vielen Jahren. Wünschenswert wäre dahingehend eine europaweite, wenn nicht sogar weltweite Änderung unserer gesellschaftlichen Systeme. Aber da hakt es aus heutiger, realpolitischer Sicht. Das Ziel einer ausgeglichenen, sozial gerechten Vermögensverteilung und die Einführung eines Bedingungslosen Grundeinkommens kann daher nur regional oder in einzelnen Ländern beginnen.

Nähere Informationen zu Christian Tods Film „Free Lunch Society“ erhalten Sie online unter www.freelunchsociety.net; verschiedene Positionen zum Thema „Bedingungsloses Grundeinkommen“ finden Sie unter https://kab.dsp.at und www.attac.at. Das aktuelle Kinoprogramm des Vereins Südfilmfest ist unter www.suedfilmfest.at abrufbar.


FOTO (v.l.n.r.): Christian Tod (Filmemacher), Jürgen Adelmann (Moderator / Verein SFF), Gerhard Malleck (ATTAC-Regionalgruppe Mostviertel). Credit: Südfilmfest